Neulich auf der Promenade - Gedanken eines überzeugten Radfahrers

Seit einigen Monaten bin ich stolzer Besitzer eines Pedelecs, eines Fahrrades mit Tretkraftunterstützung, die sich bei einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h abschaltet. Mit diesem Pedelec bin ich viel unterwegs. Etwa 4.000 Kilometer im Jahr. Von Handorf in die Innenstadt brauche ich um die 20 bis 25 Minuten. Damit bin ich fast so schnell wie mit dem Auto (je nach Tageszeit und Verkehrsaufkommen) und schneller als der Bus.

Umweltschonend

Pedelecfahren ist gut für die Umwelt. Es spart Benzin, ist emissionsfrei, nahezu geräuschlos, man ist an der frischen Luft und bewegt sich. Das Münsteraner Radverkehrswegenetz ist im Grunde gut ausgebaut, eigentlich eine Selbstverständlichkeit für die Fahrradhauptstadt Deutschlands. Aber: Seit einigen Jahren habe ich immer weniger den Eindruck, dass die Stadt des Westfälischen Friedens beim Thema Radverkehr eine Vorbildrolle unter den Städten einnimmt.


Stillstand in Münster?

Meiner Meinung nach konzentrieren sich die verkehrsplanerischen Konzepte und Planungen in Münster in den letzten Jahren immer weniger auf das Fahrrad und immer mehr auf den Kfz-Verkehr. In einer wachsenden Stadt mit immer mehr Arbeitsplätzen hält das Angebot an bezahlbaren Wohnraum längst schon nicht mehr mit. In der Folge pendeln immer mehr Menschen aus dem Umland in die Westfalenmetropole und stoßen hier auf ein Verkehrswegenetz, das schon seit langem mit der Entwicklung nicht mehr Schritt halten kann. Überlegungen, das Tempo zu reduzieren oder eine Maut für die Altstadt zu erheben, werden kategorisch abgelehnt. Der öffentliche Personennahverkehr ist auf die Nutzung der Straßen angewiesen. Die Folge ist, dass auch Busse trotz Vorrangspuren häufig im Stau stecken. Der Schienenpersonennahverkehr ist unzureichend erschlossen, Münster verfügt als Großstadt weder über eine Straßenbahn noch über eine U-Bahn. Über eine Schwebebahn, wie z.B. in Wuppertal, hat hier noch niemand ernsthaft nachgedacht. Demnach kommt also dem Radverkehr eine besondere Bedeutung zu.

Radfahren muss attraktiv bleiben

Nach Erkenntnissen der Verkehrsforscher werden aktuell mehr als ein Drittel der Verkehre in Münster mit dem Fahrrad abgewickelt. Das soll so bleiben. Demnach müsste das Radverkehrsnetz also in den nächsten Jahren ausgebaut und verbessert werden. Dazu gehören gerade im Zeitalter der Pedelecs breitere Radwege, Radfahrerschutzstreifen, gut markierte und ausgeschilderte Radwege und Vorfahrtszonen gegenüber dem Autoverkehr.

Beinahe-Zusammenstoß auf der Promenade

Apropos Vorfahrt gegenüber dem Auto: Die Promenade wird von vielen als Autobahnring für Radfahrer bezeichnet. Als ich vor einigen Tagen auf der Promenade unterwegs war und die Windhorststraße queren wollte, wäre ich trotz großer Achtsamkeit fast mit einem Auto kollidiert. Adrenalin pur! Ich habe mir dann einige Minuten Zeit genommen und die Verkehrssituation an dieser unübersichtlichen Stelle beobachtet. Die Autofahrer akzeptieren den Zebrastreifen, über den zahlreiche Fußgänger die belebte Straße überqueren. Radfahrer, die von beiden Seiten der Promenade die Windhorststraße queren, haben es da deutlich schwerer. Entweder sie halten an, steigen vom Rad und queren die Straße als Fußgänger am Zebrastreifen oder sie  versuchen ihr Glück und queren die Windhorststraße wenn es der in aller Regel parkplatzsuchende Verkehr (Tempo 50?) in einer Unterbrechung zulässt. Eine ähnliche Situation ergibt sich für den Radfahrverkehr übrigens auch an der Salzstraße.

Warum haben Radfahrer auf der „Radlerautobahn“ eigentlich keine Vorfahrt?

Mein Vorschlag zur Verkehrsregelung:

  • Gebt dem Radfahrverkehr auf der Promenade Vorfahrt, immer da wo es keine Ampelanlagen gibt,
  • stellt ein Stoppschild für den Autoverkehr an der Salzstraße und der Windhorststraße auf,
  • kennzeichnet die Fahrbahn mit einer dicken weißen Querungshilfe für Radfahrer und
  • gebt an diesen genannten Straßen endlich dem Radverkehr den Vorrang, der auch der Verkehrssicherheit an den genannten Stellen zugutekommen wird.

Mit dieser Regelung sind sicherlich nicht alle Probleme des Radfahrverkehrs in unserer Stadt gelöst – aber es wäre zumindest ein symbolischer Anfang – Oder?


Thomas Marquardt ist seit Mai 2012 der direkt gewählte Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Münster-Nord. Er ist seit 1993 Mitglied der SPD und wohnt in Münster-Handorf.


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Kommentare: 2
  • #1

    Martin (Montag, 13 Juni 2016 19:39)

    Finde ich gut!

  • #2

    Uli (Donnerstag, 25 August 2016 17:09)

    Hallo Thomas,
    deine Vorschläge finde ich super. Ich fahre jeden Tag von der Promenade auf die Salzstraße. Beinahe Zusammenstöße gibt es alle paar Minuten.
    Was den Vorzug des Straßenbaus betrifft gebe ich dir ebenfalls recht. Der Hohe Heckenweg wurde zwischen der Piusallee und der Kösliner Straße aufwendig saniert. Der parallel verlaufende Radweg stadtauswärts ist dagegen wegen der Baumwurzeln lebensgefährlich.