Deutschland und Populismus: Gar nicht so schlimm?

von Thomas Marquardt

Wir leben in politisch interessanten Zeiten. Nicht nur in unruhigen Zeiten, wie so oft in den Medien oder im Gespräch auf der Straße zu hören ist. Für mich sind es eben auch politisch spannende Zeiten, deren Probleme herausfordernd aber nicht unlösbar sind. Natürlich gibt es viele Probleme auf dieser Welt, das will ich gar nicht bestreiten. Kriege wie in Syrien oder populistische Bewegungen in vielen Ländern Europas oder nun auch in den USA sind besorgniserregend. Aber nicht alles ist schlecht. Es kommt auch immer auf den Ton in an, auf die Nuancen in den Aussagen und der Berichterstattung.

Dazu passt eine Studie, die in dieser Woche veröffentlicht wurde und die mir Mut gemacht hat. Das britische Meinungsinstitut YouGov hat in zwölf EU-Mitgliedstaaten Menschen befragt, wie empfänglich sie für populistische Aussagen sind. Populistische Aussagen wie zum Beispiel robuste nationale Interessen vor gemeinsamer Europa-Politik, kritische Einstellungen zu Menschenrechten und Migration oder Befürwortung von nationaler Abschottung. Und was mich besonders gefreut hat: in keinem großen Europäischen Land sind die Menschen weniger empfänglich für politischen Populismus als in Deutschland. Nur 18 Prozent der Deutschen stimmten mit den aufgezählten populistischen Aussagen überein. Die Werte in den Niederlanden (55%), Großbritannien (48%) und Frankreich (gar 63%) lagen deutlich höher als bei uns. Schlimm sind auch die Zustimmungsraten in einigen osteuropäischen Ländern wie in Polen (78%) und Rumänien (82%). Natürlich mag der eine oder andere nun einwenden: Haben Sie die Umzüge der Pegida-Bewegungen und die Wahlsiege der sogenannten Alternative für Deutschland in die Landesparlamente nicht mehr vor Augen? Doch das habe ich. Das ist schlecht für unser Land und dem gilt es weiter mit konstruktiver Politik entgegenzutreten. Doch vielmehr zeigt diese Studie doch, und das teilt auch der Leiter der Studie Joe Twyman, das Deutschland widerstandsfähig gegen die verführerischen, aber doch falschen Aussagen der Populisten ist. Über 80 Prozent der Deutschen sind damit nicht einverstanden und darauf möchte ich mit einigem Stolz hinweisen! Denn in einer Berichterstattung, die viel zu oft auf Aussagen der Populisten aufspringt und sie damit größer macht als sie eigentlich sind, wird ein verzerrter Eindruck vermittelt.

Diese vergleichsweise geringe Empfänglichkeit für Populismus ist auch, davon bin ich überzeugt, das Ergebnis einer ehrlichen und nachhaltigen Aufklärung unserer faschistischen Vergangenheit. Ähnlich wie in Spanien, die in der Studie ebenfalls nur geringe Zustimmungswerte zu populistischen Aussagen haben. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch in Zukunft so bleibt und wir den 18 Prozent der Menschen mit populistischer Neigung eine politische Alternative bieten können.

 Ein Nachtrag zur Studie: Leider sind deutlich mehr Männer (65% gegenüber 35% Frauen) und ältere Menschen (über 30% Zustimmung bei den über 60jährigen) unter den Populisten. Auch sind es nicht die Menschen mit niedrigen Bildungsniveau, die von den Aussagen der Populisten gefangen werden. Vor allem Personen aus der Mitte der Gesellschaft mit einem mittleren Bildungsniveau sind da deutlich eher empfänglich. Gerade hier sind wir in der Politik aber gesamten Gesellschaft gefragt, speziell auf diese Gruppen zuzugehen, ihre Sorgen anzuhören, ernst zu nehmen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

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